Meine Wahrnehmung ist, dass momentan alles an die Oberfläche kommt. Alles was schon sehr lange spürbar war, zumindest für die feinsinnigeren Naturen unter uns – die „Sensibelchen“. Dieses jahrzehntelang schwer zu greifende Empfinden, dass mit dem System, in welches wir hineinsozialisiert wurden etwas nicht stimmt – und zwar grundsätzlich nicht – wird für mich seit Monaten zunehmende Gewissheit. Ich erlebe es momentan so, dass bisher verdrängte, abgespaltene, unangenehme Inhalte ins Bewusstsein der Masse drängen und dabei mit einem Wahnsinnsdruck und zunehmender Geschwindigkeit aus den Tiefen nach oben strömen.


Der kollektive Schatten zeigt sich

Es kommt mir vor, als wäre die Zeit nun reif dafür, dass wir kollektiv unserem Schatten nach C.G. Jung anschauen dürfen, bzw. anschauen müssen. In allen Lebensbereichen. Täglich bekommt die gesellschaftliche „Persona“, wie auch unsere eigene Maske mehr Risse. Das Licht kann hindurchscheinen und nun zeigt sich der ganze Dreck, welcher sich bisher noch mit den Schein des Anständigen, Guten oder Wohlmeinenden umhüllen konnte. Das funktioniert nun nicht mehr und ich vermute, dieser Desmakierungsprozess betrifft jeden einzelnen von uns, und damit wiederum unsere Gesellschaft als Kollektiv. Die Augen vor der Tatsache zu verschließen, dass dieser Schatten, das Böse, das Dunkle, das Trauma, die Spaltung, die Trennung in uns selbst existiert, kostet fortan immer mehr Energie und Lebenskraft. Früher oder später wird der Leidensdruck zu groß werden. Ich erwarte für Ende September/Oktober einen neuen Höhepunkt dieser Entwicklung.

Im Alltag erlebe ich viele Menschen, die lieber noch weiter wegsschauen wollen. Sie wollen ihr altes Leben zurück. Sie wollen, dass es wieder so wie vor der Krise wird. Dafür unterwerfen sie sich den Gesetzen der Neuen Normalität. Und ich kann das verstehen, auch ich ertappe mich manchmal dabei. Aber meist spüre ich die Sehnsucht nach etwas Neuen. Nach etwas für das ich bisher keine Worte habe, nur eine vage Ahnung wie es sich anfühlen wird dieses Neue, sobald diese Krise durchschritten ist.

Missbrauch findet überall statt

Ein Wort, das sich mir in Anbetracht der aktuellen Entwicklung immer mehr aufdrängt, ist der Begriff „Missbrauch“. Dass dieser Begriff vor allem mit sexuellen Übergriffen assoziiert wird, ist dabei zu eng gefasst. Missbrauch kann auch emotionaler, seelischer, psychischer Natur sein und er wirkt auf diesen Ebenen ebenso zersetzend auf die Lebenskräfte und Würde des Opfers. Achtung bitte nicht stolpern, denn ich stelle hier mal die These in dem Raum, dass unser kollektiver Schatten mit dem wir nun konfrontiert werden, mit dem Thema „Missbrauch“ in ALL seinen Facetten zu tun hat. Und dass es aktuell darum geht, hinzuschauen, Missbrauch zu erkennen, und zu lernen die eigenen Grenzen vor Übergiffen egal welcher Art zu schützen.
So von der Energie her stell ich mir das bissle so vor, wie Gandalf gegen den Feuerdämon in LOTR Teil II , also mit ordentlich Schmackes und Entschlossenheit und Wind in den Haaren und so…naja ihr wisst schon was ich meine. Nicht wischiwaschi halt. Klar Position beziehen. Nein sagen zu dem, was sich tief drinnen falsch anfühlt. Selbst wenn man alleine damit dastehen sollte und schepp angesehen wird. Und sei es, dass man dabei draufgeht. Good News is: Gandalf kommt später wieder als Gandalf der Weise… Bei C.G. Jung wäre es analog dazu das Selbst, das zum Vorschein kommt, wenn die falsche Maske im Laufe des Individuations-Prozesses einmal gefallen ist. Die Auferstehung des wahren Selbst aus dem Trümmern des Ego.

Worte und Psychologie als Waffe

Mir zum Beispiel fällt seit Beginn dieser Krise auf, wie Sprache und psychologisches Wissen von Polit-/PR-Profis aber ersteres auch von Nutzern in den sozialen Netzwerken missbraucht werden. Ob bewusst oder unbewusst weiß ich nicht. Mit dem Ergebnis, dass Menschen auf der Empfängerseite dieser „Kommunikation“ geschwächt, verletzt und entwürdigt werden – wie es bei jeder Form von Missbrauch der Fall ist.

Ich bin erschüttert, wie derzeit mit neuen Begriffen Menschen gegeneinander aufgehetzt werden, wie Kritiker der Regierungslinie beschimpft und sozial geächtet werden. Wie Verwirrung durch widersprüchliche Aussagen in den Medien generiert wird. Wie mit dem Erzeugen von Angst- und Schuldgefühlen Handlungsdruck aufgebaut wird. Wie die eigene Wahrnehmung durch mediale Dauerbeschallung und ständige Wiederholung (z.B. von teilweise kontextlosen Zahlen) vernebelt wird. Wie mit offensichtlichen PR-Kampagnen, (die sich sogar selbst als Kampagne bezeichnen) nicht sachlich informiert und aufgeklärt, sondern überzeugt und auf Linie gebracht werden soll. Ohne den geringsten Anspruch im Besitz der Wahrheit zu sein, glaube ich hier Methoden der narzisstischen Manipulation. z.B. Gaslighting erkennen zu können. Viele „Äußerungen“ derzeit sind pures Gift. Da helfen nur klare Grenzen.

Es geht nicht um Heilung Missbrauch im Gesundheitswesen

Die etwas älteren Correctiv-Recherchen zur langjährigen Verbindung zwischen Pharmavertretern und Teilen der Ärzteschaft waren der ursprüngliche Auslöser, diesen Artikel zu schreiben. Sehr spannende Lektüre und ich bin mir sicher, dass es immer noch viele Menschen gibt, die noch nie von der Verstrickung von Pharmaindustrie und Ärzteschaft gehört haben und andere, die sich lieber die Ohren weiter zuhalten, weil sie noch nicht bereit dafür sind. Das ist okay. Jeder hat das Recht, seinen Entwicklungsweg in seinem Tempo zu gehen, das hab ich inzwischen gelernt. Aber ich glaube dennoch, dass es immer anstrengender und kräftezehrender werden wird in den kommenden Monaten, die Augen zu verschließen, vor den Lebensbereichen, die faul und lebesfeindlich geworden sind. Und ja, eigentlich sind es alle. Die Zeit ist reif. Egal wohin man den Kopf wendet, überal schwappt es aus den unbewussten Tiefen nach oben ins Licht des Bewusstseins. Im innen wie im Außen. Und das ist gut so. Hier oben kann es heilen.

Das in etwa ist meine Wahrnehmug der aktuellen Zeitqualität. Ich bin ganz bestimmt nicht im Besitz der Wahrheit und will niemanden von meiner Ansicht überzeugen. Dennoch: Hier in meiner kleinen Fein-Beckerei, nehm ich es mir mal heraus, mich so gandalfmäßig hinzustellen und den Schatten, die es betrifft zu befehlen: „Zurück zu den Schatten! DU! KANNST! NICHT! VORBEI!“ Und dann warte ich mal neugierig ab, was so passieren wird.