Sein, aber fein.

Ich verstehe nicht

Ich habe hier länger nichts geschrieben und ein Grund ist, dass mir das generelle Denken, aber vor allem das strukturierte Durchdenken von größeren Zusammenhängen gerade schwerfällt und mich schnell ermüdet. Ich frage mich, liegt das nun an der mangelnden Kapazität meines Oberstübchens oder ist die Komplexität im System aktuell einfach zu hoch und übersteigt das, was ein einzelner Mensch fassen und verarbeiten kann? Der zweite Grund für mein Nichtschreiben ist, dass ich mich seit einigen Monaten frage: Was von all dem, was im Außen als Reiz auf mich zukommt, verdient eigentlich meine Reaktion? Und was davon eine öffentliche, die ich mit der Welt im Internet teile?

Dennoch gibt es gesellschaftlich, psychosozial und politisch mehr denn je, was mich beschäftigt, was ich gerne verstehen will, worüber ich auch gerne schreiben würde, aber was ich nicht schaffe in seiner Gänze zu begreifen. Und momentan sehe ich keinen Mehrwert für mich oder irgendwen darin, über Dinge zu schreiben, die ich selbst nicht verstanden habe. Also vielleicht einfach mal die Klappe halten, wie Wittgenstein schon meinte. Er hat das aber, soweit ich mich erinnere, ein klein wenig eleganter ausgedrückt.

Nun stehe ich also schon seit ein paar Monaten dumm und wortkarg herum. Stehe da mit meinem Unverständnis, meinen offenen Fragen und unfertigen Denkprozessen und überlege, ob es vielleicht auch darum gehen könnte, diesen Zustand anzunehmen und mich damit auszuhalten. Oder ob ich einfach wirklich dumm im Sinne von mental träge geworden bin und gegensteuern sollte. Wieder mehr Bücher lesen sollte? Wittgenstein, Nietzsche, Lyrik z.B. das Spätwerk von Pumuckl, wo sehr viele metapyhsische Themen aufgegriffen werden.

Abb.1: Ziemlich exakte wissenschaftliche Visualisierung der aktuellen Welt-Prozessierungsfunktion in CEO E. Beckers internem Hirn nach ausführlicher Anamnese von Dr. Ludwig Morpheus Brain


Ich verstehe nicht, wie plötzlich 100 Milliarden Euro vorhanden sein konnten – für Krieg. Ich verstehe nicht, warum dieses Geld in offiziellen Darstellungen als Sondervermögen bezeichnet wird, obwohl es schlichtweg S c h u l d e n sind. Schulden – die jeder, der in diesem Land täglich zur Lohnarbeit geht, über seine Abgaben an den Staat abbezahlen wird müssen. Ich verstehe nicht, dass solch offensichtliche sprachliche Täuschungsmanöver von massenmedialer Seite statt kritisiert, nur beflissen wiederholt werden. Ich verstehe nicht, dass das kaum jemanden aufzuregen scheint. Genauso wenig verstehe ich, dass die immer gleichen, eindimensionalen Erklärungen, welche man täglich vorgesetzt bekommt, niemanden aus der Fassung bringen, ob ihrer Plumpheit. Ich verstehe nicht, wie es passieren konnte, dass Pharma- und Rüstungsindustrie nun die neuen Heils- und Friedensbringer sind. Ich verstehe nicht, wie große Anteile der medialen Öffentlichkeit so tun können, als sei nichts gewesen die vergangenen zwei Jahre. Als hätten keine Nötigungen, Anfeindungen und Abwertungen übelster Art stattgefunden – auf einer auf einer, wie inzwischen offen liegt, mangelhaften Datenlage. Ich verstehe nicht, warum man für ein LHC-Experiment Anfang Juli 13,6 Tera-Elektronenvolt aufbringen kann und der Bevölkerung gleichzeitig nahelegt, für „den Frieden“ und aus „Solidaität“ im Winter zu frieren. Ich vestehe nicht, warum mich die Aufforderung, solidarisch mit irgendwem zu sein, nur noch abstößt. Ich verstehe nicht, wie es sein kann, dass im“besten Deutschland aller Zeiten“ viele Menschen nicht vom Lohn einer Vollzeitstelle leben, geschweige den eine Familie ernähren können. Ich verstehe nicht, was in jemanden vorgeht, der ernsthaft behauptet, wir lebten im „besten Deutschland aller Zeiten“. Ich verstehe nicht, warum soviele Menschen so wenige Fragen an stellen. Ich verstehe nicht, warum wir immer noch Symptome behandeln – auf allen Ebenen, statt endlich den armseeligen Zustand der Menschheit an seiner Wurzel zu anzugehen. Ich verstehe nicht, warum sich die Normalität gerade so kulissenhaft und verdreht anfühlt. Ich vestehe nicht, welche Rolle ich hier eigentlich noch spiele und warum. Ich verstehe nicht, wovon genau ich aktuell, zumindest unterschwellig, permanent angewidert bin. Ich verstehe nicht, warum das alles so lange dauert. Ich verstehe kaum etwas zurzeit, aber immerhin ich stehe. Zu meiner Wahrnehmung, meiner Intuition und vielleicht reicht das ja fürs erste und ist ein Schritt auf dem Weg zu einem wirklich eigenständigen Denken?







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  1. Soziales meßwert

    Großartige Gedanken
    die ich so
    viel zu selten lese

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